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    Webinar-Leadgenerierung im B2B: Anmeldungen sind noch keine Pipeline

    Tim Jeske, RevOps & HubSpot Lead bei Prometheus MarketingTim Jeske·RevOps & HubSpot Lead·

    Die meisten Webinar-Auswertungen im B2B zeigen eine einzige Zahl: Anmeldungen. 180 Registrierungen, ein zufriedenes Marketing-Team, ein Screenshot im Reporting. Vier Wochen später fragt der Vertrieb, was daraus geworden ist, und niemand kann die Frage beantworten.

    Das liegt nicht am Format. Das Webinar ist der stärkste Kanal, den B2B-Marketing zur Verfügung hat. Es liegt daran, dass die meisten Unternehmen das Webinar als Event behandeln und nicht als Funnel. Ein Event ist am Abend vorbei. Ein Funnel fängt am Abend erst an.

    Warum fallen im Webinar Demand Gen und Lead Gen zusammen?

    In fast jedem anderen Kanal müssen Sie sich entscheiden. Demand Generation setzt Themen: Sie bringen jemanden dazu, sich mit einem Problem zu beschäftigen, von dem er vorher nicht wusste, dass er es hat. Lead Generation greift ab: Sie holen eine Kontaktadresse und übergeben sie an den Vertrieb. Das eine erzeugt Nachfrage, das andere erntet sie.

    Das Webinar macht beides in einem Termin. Sie zeigen 45 Minuten lang, dass ein Thema relevant ist und dass Sie es beherrschen. Genau dafür muss sich jemand vorher registrieren. Der Gedanke landet im Kopf, die Adresse landet im CRM, und beides passiert im selben Vorgang. Diese Kombination gibt es sonst nirgends.

    Was misst ein Webinar-Funnel im B2B wirklich?

    Ein Webinar-Funnel hat genau vier Stufen, und drei davon werden meistens nicht gemessen:

    1. Anmeldungen. Wie viele Menschen haben ihre Adresse gegeben.
    2. Live-Teilnehmer. Wie viele davon waren tatsächlich im Raum.
    3. Bearbeitete Kontakte. Wie viele wurden nach dem Webinar aktiv angegangen.
    4. Termine. Wie viele haben einem Gespräch zugestimmt.

    Wer nur Stufe 1 berichtet, berichtet eine Vanity-Metrik. Die Anmeldung kostet den Interessenten dreißig Sekunden und null Verbindlichkeit. Erst ab Stufe 2 reden Sie über Menschen, die Zeit investiert haben. Wie Sie diese Stufen sauber in Ihrem CRM abbilden, hängt an Ihrer Reporting-Architektur: dazu haben wir RevOps im Mittelstand getrennt aufgeschrieben.

    Welche Showrate ist im B2B realistisch?

    Wir arbeiten mit einem Zielwert von 40 Prozent. Von 100 Anmeldungen sind 40 live dabei. Das ist kein Branchendurchschnitt, sondern der Wert, auf den wir unsere eigenen Webinare und die unserer Kunden steuern.

    40 Prozent klingt niedrig, wenn man Anmeldungen für bare Münze nimmt. Es ist aber die ehrlichere Zahl. Und sie ist der eigentliche Hebel: Jeder Prozentpunkt mehr Showrate ist ein Prozentpunkt mehr qualifizierte Kontakte, ohne dass Sie einen einzigen zusätzlichen Euro in die Bewerbung stecken.

    Fällt Ihre Showrate deutlich unter diesen Wert, liegt das fast nie am Thema. Es liegt an der Strecke zwischen Anmeldung und Termin: keine Erinnerung, kein Kalendereintrag, kein Grund, den Termin gegen ein spontanes Meeting zu verteidigen.

    Wie viele Live-Teilnehmer werden zu Terminen?

    Der zweite Zielwert: 10 Prozent der Live-Teilnehmer landen in einem Termin. Nicht 10 Prozent der Anmeldungen. Bei 100 Anmeldungen, 40 Live-Teilnehmern und einer sauberen Nacharbeit sind das vier Termine pro Webinar.

    Vier Termine klingen wenig, bis Sie die Gegenrechnung aufmachen: Diese vier Menschen haben Ihnen 45 Minuten Aufmerksamkeit geschenkt, kennen Ihre Denkweise und haben ein konkretes Thema im Kopf. Das ist ein anderer Gesprächseinstieg als jeder Kaltkontakt. Und bei 14-tägiger Kadenz sind es acht Termine im Monat, aus einem einzigen Kanal.

    Warum funktioniert das Webinar besonders bei erklärungsbedürftigen Produkten?

    Je erklärungsbedürftiger Ihr Produkt, desto teurer ist der erste Termin. Niemand bucht ein Verkaufsgespräch für etwas, das er noch nicht einordnen kann. Das Webinar senkt genau diese Schwelle: Es kostet keine Verpflichtung, man kann die Kamera auslassen, und man lernt etwas, auch wenn man nie kauft.

    Deshalb registrieren sich für ein gutes Webinar deutlich mehr Menschen, als jemals ein Erstgespräch buchen würden. Sie kaufen sich mit dem Format Zugang zu einer Gruppe, die für einen direkten Vertriebskontakt noch nicht bereit ist, für ein Thema aber sehr wohl.

    Die Pipeline entsteht nach dem Webinar: Nacharbeit für Teilnehmer und No-Shows

    Wie sieht die Nacharbeit bei Teilnehmern aus?

    Hier entscheidet sich alles. Jeder Live-Teilnehmer wird nach dem Webinar telefonisch angegangen, ohne Ausnahme. Der Anruf hat eine feste Reihenfolge:

    1. Zuerst der Nutzen. Hat das Thema geholfen? Was davon war für die konkrete Situation relevant?
    2. Dann die Lage. Inwiefern beschäftigt Sie das Thema gerade im Unternehmen?
    3. Erst dann der Vorschlag. Wenn es passt: das Ganze noch einmal tiefer und auf Ihre Situation bezogen besprechen.

    Die Reihenfolge ist nicht Höflichkeit, sie ist der Grund, warum das Gespräch funktioniert. Wer mit dem Terminvorschlag einsteigt, bestätigt den Verdacht, dass das Webinar nur die Verpackung für einen Verkaufsanruf war. Wer mit dem Nutzen einsteigt, führt das Gespräch fort, das im Webinar begonnen hat. Wie diese Telefonstrecke im Detail aufgebaut ist, steht in unserem Beitrag zu Terminen aus LinkedIn und Telemarketing.

    Wie gehen Sie mit No-Shows um?

    60 Prozent der Angemeldeten waren nicht da. Diese Gruppe ist nicht verloren, sie hat nur einen anderen Einstieg verdient: erst E-Mail, nicht Telefon.

    Und eine Regel, die den Unterschied macht: Bieten Sie die Slides an, schicken Sie sie nicht ungefragt. Eine Mail mit angehängter Aufzeichnung ist erledigt, sobald sie gelesen ist. Eine Mail, die fragt, ob Sie die Unterlagen schicken dürfen, braucht eine Antwort. Diese Antwort ist der eigentliche Zweck der Mail.

    Jede Antwort, die zurückkommt, geht zurück in die Strecke: in die Telefonliste oder in eine weitere E-Mail-Aktivität. Ein No-Show, der antwortet, ist ab diesem Moment kein No-Show mehr, sondern ein Kontakt mit Gesprächseinstieg.

    Woher kommen die Anmeldungen?

    Aus zwei Quellen, die Sie bereits besitzen. Erstens LinkedIn: das Event, die Posts der beteiligten Personen, die Unternehmensseite und die direkte Ansprache relevanter Kontakte. Zweitens Ihr eigener Verteiler: Kontakte, die einmal Interesse gezeigt haben und seitdem nichts mehr von Ihnen gehört haben.

    Der zweite Punkt wird unterschätzt. Ein Webinar ist der beste Anlass, eine kalt gewordene Liste wieder anzusprechen, weil Sie etwas anbieten statt etwas zu verlangen. Wie Sie die Zielgruppe dafür sauber definieren, steht in unserem Beitrag zur B2B-Leadgenerierung über LinkedIn.

    Was bringt ein Webinar-Funnel über die Zeit?

    Einzelne Webinare bringen einzelne Termine. Interessant wird es, wenn das Format zur Kadenz wird.

    Für BS Group Data Analytics, einen IT-Dienstleister aus Zürich mit 11 bis 50 Mitarbeitenden, haben wir den Webinar-Funnel gemeinsam mit Corporate Influencer und Lead Nurturing aufgebaut. Ergebnis über 24 Monate: 2,1 Millionen CHF Pipeline. Nicht aus einem Event, sondern aus einem wiederholten Ablauf mit fester Nacharbeit.

    Bei einer B2B-CRM-Plattform im DACH-Raum mit 50 bis 500 Mitarbeitenden haben wir den Webinar-Funnel auf die Trial-Akquise gelegt. Ergebnis: 35 Prozent geringere Kosten pro Lead im Vergleich zu den bis dahin genutzten Kanälen.

    Beides sind keine Ausreißer, sondern das Ergebnis derselben Mechanik: konstante Kadenz, definierte Showrate, verbindliche Nacharbeit.

    Welche Fehler kosten die Pipeline?

    Fünf Fehler sehen wir immer wieder, und jeder einzelne ist teuer:

    • Das Webinar wird als Event geplant, nicht als Funnel. Die Nacharbeit ist nicht besetzt, bevor die Bewerbung startet.
    • Nur Anmeldungen werden berichtet. Showrate und Termine tauchen im Reporting gar nicht auf.
    • Die Slides gehen ungefragt raus. Damit verschenken Sie den einzigen Grund, aus dem ein No-Show antworten würde.
    • Der Anruf beginnt mit dem Terminvorschlag. Das Gespräch ist beendet, bevor es begonnen hat.
    • Das Webinar ist einmalig. Ein Format ohne Kadenz baut keinen Verteiler auf und kein Publikum.

    Der nächste Schritt

    Ein Webinar-Funnel ist kein Event mit Anmeldeformular, sondern ein wiederkehrender Ablauf mit zwei Zielwerten und einer verbindlichen Nacharbeit. Wenn Sie wissen wollen, wie dieser Ablauf für Ihr Thema und Ihre Zielaccounts aussieht: Unsere Webinar-Leadgenerierung baut genau diese Strecke auf, von der Zielliste über die Bewerbung bis zur telefonischen Nacharbeit.

    Häufige Fragen

    Wie viele Anmeldungen braucht ein B2B-Webinar, damit es sich lohnt?

    Rechnen Sie rückwärts: Bei 40 Prozent Showrate und 10 Prozent Terminquote ergeben 100 Anmeldungen vier Termine. Wie viele Anmeldungen Sie brauchen, hängt also daran, wie viele Termine Sie aus dem Kanal erwarten, nicht an einer absoluten Mindestzahl.

    Was ist eine gute Showrate für ein B2B-Webinar?

    Wir steuern auf 40 Prozent. Darunter lohnt sich ein Blick auf die Strecke zwischen Anmeldung und Termin: Erinnerungen, Kalendereintrag und ein Grund, warum der Termin verteidigt wird.

    Sollte man die Aufzeichnung automatisch an alle Angemeldeten schicken?

    Nein. Bieten Sie sie an und warten Sie auf die Antwort. Die Antwort ist der Gesprächseinstieg, die automatische Zusendung ist das Ende des Kontakts.

    Wie schnell nach dem Webinar sollte die Nacharbeit starten?

    Innerhalb von 24 bis 48 Stunden, solange das Thema präsent ist. Teilnehmer telefonisch, No-Shows per E-Mail.

    Ist ein Webinar auch für kleine Zielgruppen sinnvoll?

    Gerade dann. Bei einer eng definierten Zielgruppe ist nicht die Reichweite entscheidend, sondern wer im Raum sitzt. Zwanzig Live-Teilnehmer aus Ihren Zielaccounts sind mehr wert als dreihundert aus der Gießkanne.

    Aus Reichweite planbare Pipeline machen

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