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    ICP erstellen und ABM-Zielliste aufbauen: Schritt für Schritt

    Moritz Tittler·Head of Sales·

    Die meisten ICPs sind Wunschdenken in einer Excel-Tabelle. Sie beschreiben den Kunden, den man gern hätte – nicht den, der tatsächlich schnell kauft und lange bleibt. Wer sein ICP erstellen will, sollte deshalb nicht bei der Vision beginnen, sondern bei den eigenen Daten.

    Unsere These: Ein belastbares Ideal Customer Profile entsteht rückwärts – aus den zwanzig Kunden, die am schnellsten geschlossen haben und am längsten bleiben. Alles andere ist geraten. Und ohne telefonische Qualifizierung bleibt selbst die beste Zielliste unvollständig, weil eine Firmenpassung auf dem Papier noch keinen echten Bedarf beweist.

    Was ein ICP ist – und was nicht

    Ein Ideal Customer Profile ist die präzise Beschreibung des Firmentyps, der Ihren größten, schnellsten und langlebigsten Umsatz erzeugt – definiert über feste, überprüfbare Kriterien statt über Bauchgefühl. Es beschreibt den Account, nicht die Person: Im Account-based Marketing – ein Begriff, den die ITSMA bereits 2003 prägte – ist die Firma die kleinste sinnvolle Einheit, nicht der einzelne Kontakt.

    Der Unterschied zur Buyer Persona ist wichtig: Das ICP filtert Firmen, die Persona beschreibt die Rollen darin. Sie brauchen beides – aber in dieser Reihenfolge.

    Warum rückwärts aus den Daten – nicht vorwärts aus der Vision

    Der übliche Weg ist der falsche: Ein Team setzt sich zusammen und beschreibt, welche Kunden es gern hätte. Das Ergebnis ist ein Profil, das die eigenen Ambitionen spiegelt, aber nicht die Realität des Vertriebs. Der bessere Weg führt über die eigene Historie. Ihre gewonnenen Deals enthalten die Antwort bereits – Sie müssen sie nur lesen.

    Deshalb starten Sie bei den zwanzig Kunden, die am schnellsten unterschrieben haben und am längsten bleiben. Kurze Sales-Cycles verraten, wo Ihr Angebot einen echten, dringenden Schmerz trifft. Lange Verweildauer verrät, wo es nachhaltig passt. Beides zusammen ergibt ein ICP, das nicht schön klingt, sondern funktioniert – und dem Ihr Vertrieb vertraut, weil er die Firmen darin wiedererkennt.

    ICP erstellen: 6 Schritte zur ABM-Zielliste

    Die folgenden sechs Schritte führen von Ihren Bestandsdaten zu einer fokussierten, bearbeitbaren Zielliste.

    1. Beste Bestandskunden analysieren: Nehmen Sie die 20 Kunden mit dem kürzesten Sales-Cycle und der längsten Verweildauer. Sie sind Ihr empirisches Fundament – nicht die größten Logos, sondern die reibungslosesten Abschlüsse.
    2. Gemeinsame Muster extrahieren: Welche Merkmale teilen diese Kunden? Achten Sie auf firmografische, technografische und verhaltensbasierte Gemeinsamkeiten (siehe Tabelle unten).
    3. Kriterien und Ausschlüsse festschreiben: Gießen Sie die Muster in harte Kriterien – inklusive klarer Ausschlusskriterien. Ein gutes ICP sagt genauso deutlich, wen Sie nicht wollen.
    4. Longlist aufbauen: Ziehen Sie über Firmendatenbanken, Sales Navigator und Anreicherung alle Firmen, die den Kriterien entsprechen. Das ist Ihre Grundgesamtheit.
    5. Priorisieren und eindampfen: Bewerten Sie die Longlist per Scoring nach Passung und Signalen und reduzieren Sie sie auf eine Zielliste, die Ihr Team tatsächlich bearbeiten kann.
    6. Übergeben und qualifizieren: Spielen Sie die Zielliste in Kampagne und Vertrieb aus – und lassen Sie jeden interessierten Account telefonisch qualifizieren, bevor er als echte Chance gilt.

    Die drei Kriterien-Dimensionen

    Damit Schritt 2 und 3 nicht beliebig werden, gliedern Sie die Kriterien in drei Dimensionen:

    DimensionWas sie beschreibtBeispiel-Kriterien
    FirmografischHarte Stammdaten der FirmaBranche, Mitarbeiterzahl, Umsatz, Region, Rechtsform
    TechnografischEingesetzte TechnologieCRM, Shop-/ERP-System, Marketing-Stack, Cloud-Nutzung
    VerhaltensbasiertSignale und AuslöserWebsite-Besuche, Content-Downloads, Trigger-Events wie Funding oder Neueinstellungen

    Von der Longlist zur Zielliste: mit System priorisieren

    Schritt 4 liefert eine Longlist – oft mehrere tausend Firmen, die die Grundkriterien erfüllen. Diese Liste ist noch keine Zielliste, sondern nur eine gefilterte Grundgesamtheit. Der entscheidende Schritt ist die Priorisierung: Nicht jede passende Firma ist gleich dringlich.

    Bewährt hat sich ein einfaches Scoring aus zwei Achsen. Die erste Achse ist die Passung: Wie genau trifft die Firma Ihr ICP über alle drei Dimensionen? Die zweite Achse sind Signale: Gibt es aktuelle Auslöser – ein Website-Besuch auf der Preisseite, eine passende Neueinstellung, eine Finanzierungsrunde? Firmen mit hoher Passung und frischen Signalen kommen nach oben, der Rest wartet.

    So entsteht aus der Longlist eine bearbeitbare Zielliste – und, ebenso wichtig, eine begründete Reihenfolge. Ihr Vertrieb weiß dann nicht nur, wen er ansprechen soll, sondern auch, wen zuerst. Diese Priorisierung ist der Unterschied zwischen einer Liste, die im Sande verläuft, und einer, die abgearbeitet wird.

    Die häufigsten Fehler beim ICP-Aufbau

    Drei Fehler sehen wir immer wieder. Der erste ist das ICP aus dem Wunschdenken: Man beschreibt den Traumkunden, nicht den realen Bestbestand. Der zweite ist die fehlende Ausschlussliste – wer nur definiert, wen er will, aber nicht, wen er ablehnt, filtert zu weich. Der dritte ist das Einfrieren: Ein ICP ist kein Denkmal. Ihre besten Kunden von heute verschieben sich, also gehört das Profil ein- bis zweimal im Jahr auf den Prüfstand.

    Ohne Zielliste ist ABM nur teures Streuen

    Der häufigste Fehler ist die zu große Liste. Ein Team startet mit tausenden „potenziell passenden" Firmen, verteilt Budget breit – und wundert sich, dass nichts durchschlägt. Fokussierung ist kein Verzicht, sondern die eigentliche Wirkung von ABM: Dasselbe Budget auf wenige richtige Accounts konzentriert, erzeugt spürbar mehr als über viele falsche verteilt. Jeder Euro, der an eine unpassende Firma geht, fehlt bei einer passenden – deshalb ist die schärfere Liste fast immer die profitablere.

    Ein illustratives Beispiel: Aus einer Grundgesamtheit von mehreren tausend Firmen bleibt nach sauberer Anwendung der Kriterien oft nur ein kleiner Kern wirklich passender Zielaccounts übrig (<<CASE: konkrete Zahl aus einem Prometheus-Projekt, z. B. „von X.000 Firmen auf Y Zielaccounts priorisiert">>). Genau dieser Kern ist die Liste, auf die Sie Ads, Outbound und Telefon ausrichten.

    Und hier schließt sich der Kreis zur telefonischen Qualifizierung: Eine Zielliste sagt, wen Sie ansprechen. Ob dort gerade echter Bedarf besteht, verrät erst das Gespräch. ABM ohne diese Qualifizierung bleibt unvollständig – eine gut gefilterte Liste ohne den letzten Schritt ist nur eine bessere Vermutung. Wie die Zielliste anschließend in ein planbares System aus Ads, Outbound und Telefon übergeht, lesen Sie in unserem Beitrag zur B2B-Leadgenerierung über LinkedIn.

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